Springtime, 2018, Sepiatusche und Acryl auf Leinwand, 90 x 110 cm

 

 

 

SLAVA SEIDEL

Magic Spaces

Slava Seidel (*1974) stammt aus der Ukraine und lebt und arbeitet heute in Wetzlar. Sie hat zunächst Innenarchitektur in St. Petersburg studiert und danach dort mehrere Jahre als Bühnenbildnerin gearbeitet, eine solide Grundlage für die komplexen Raumprojektionen ihrer späteren Arbeiten. 2002 kam sie nach Deutschland, studierte Bildende Künste an der Städelschule in Frankfurt, schloss dort in 2008 ab und wurde Meisterschülerin von Prof. Christa Näher.

 

 

Seidel's Arbeiten sind in mehrfacher Hinsicht unverkennbar. Eines ihrer Alleinstellungsmerkmale ist die Anwendung von Sepiatusche auf Leinwand und Papier, eine anspruchsvolle Technik, die  spontane zeichnerische Fertigkeit erfordert und keine Korrekturen im Nachhinein erlaubt. Die spezifische Aura ihrer Bilder ist geprägt von den spezifischen Eigenschaften der Tusche, die,  wässrig aufgetragen,  je nach Malgrund und Verdünnungsgrad farblich von Braun nach Grau, Grün oder gar Blau changiert, Flecken und Rinnsale bildet und die Motive mit einer Patina überzieht, die an alte Fotos denken lässt. Hier bewegt sich Seidel souverän zwischen Zeichnung und Malerei.

 

 

Und dann die Motive: Typisch für Seidel ist der virtuose Umgang mit Bildräumen, die oft zunächst verwirrend und auch bei längerer Betrachtung rätselhaft erscheinen: Sie erinnern häufig an Elemente von Barock oder Romantik, sind aber eben keine Abbildungen von Realität, sondern illusionistische Variationen von Bauformen oder Landschaften, die eine geheimnisvolle, magische Atmosphäre erzeugen als Aktionsräume für die Menschen und Tiere, sich in den Bildern bewegen.

 

Peter Lodermeyer schreibt: "Slava Seidel's Raumillusionen stecken voller Rätsel und Abgründe, die den Betrachter geradewegs in eine Welt führen, in der sich Realität, Theater, Traum und Fantasie zu einer unentwirrbaren Einheit verbinden, die gewohnte Logik sich auflöst und unterschiedliche Raum- und Zeitebenen sich überraschend und spannungsvoll begegnen".