Liebe Freunde von Alp Galleries,

 

wir hoffen, dass Sie/Ihr alle wohlauf sind/seid, und wünschen weiterhin Kraft, Geduld und Zuversicht: Gemeinsam überwinden wir die Krise!

 

Nach den kürzlichen Lockerungen der Vorschriften freuen wir uns  mitzuteilen, dass unsere Galerie ab Dienstag, 21. April 2020 wieder zu den regulären Zeiten geöffnet ist

(Mo.-Fr. 11-18 Uhr und nach Vereinbarung).

Die von Bundes- und Landesregierung vorgeschriebenen Hygiene- und Verhaltensregeln nehmen wir sehr ernst und halten sie selbstverständlich ein:

insbesondere den geforderten Sicherheitsabstand von 1,5 Metern pro Besucher können wir auf unserer über 200qm grossen Ausstellungsfläche ohne Weiteres gewährleisten.

 

Kunst muss man im Original erleben!

Wir sind daher froh, dass wir Sie/Euch jetzt wieder zum direkten Eintauchen in

Slava Seidel's "Erweiterungen der Wirklichkeit" einladen können,

und freuen uns auf Ihren/Euren Besuch!

 

Mit herzlichen Grüssen,

Maria-Anna Alp & Paul B. Grosse

 

 

Slava Seidels „Magic Spaces“.

Die Erweiterung der Wirklichkeit

 

Dr. Peter Lodermeyer

Kunsthistoriker und Kurator, Bonn

Springtime, 2018, Sepiatusche und Acryl auf Leinwand, 90 x 110 cm


Wir befinden uns in einer riesigen Höhle. In einiger Entfernung sieht man einen Radfahrer, der sich auf einem schmalen Pfad nach rechts hin dem Höhlenausgang nähert. Damit zieht er den Blick des Betrachters zur rechten Bildhälfte, wo sich, genau auf der Schwelle zwischen Höhlen- und Außenraum, eine weitere Figur befindet, die am Boden sitzt und auf die Frühlingslandschaft hinausschaut. Diese sitzende und schauende Person wird somit zur Identifikationsfigur des vor dem Bild verharrenden Betrachters. Die Farben der Landschaft im Sonnenschein, vor allem die sattgrüne Wiese, ziehen den Blick auf sich – und so dauert es eine Weile, bis man geradezu schockhaft das ganz und gar rätselhafte Hauptmotiv des Bildes bemerkt. Die Bildanlage – Blick aus dem Höhleninneren hin zum gleißenden Licht draußen – folgt einem wohlbekannten Bildschema der europäischen Landschaftsmalerei, für das sich vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, von dem Flamen Joos de Momper über den Schweizer Caspar Wolf bis hin zu dem französischen Landschaftsmaler Théodore Rousseau (um nur ein paar Namen zu nennen), zahlreiche Bildbeispiele finden lassen. Slava Seidel nimmt dieses Schema auf, verwandelt es dabei aber in eine ganz und gar mysteriöse Szenerie. Auf den zweiten Blick nämlich fällt auf, dass die Höhle, in der sich der Bildbetrachter in recht großer Höhe zu befinden scheint, keineswegs natürlichen Ursprungs ist, schaut man doch geradewegs in eine zur Seite gekippte, riesige Gewölbekuppel hinein, die  einem barocken Kirchen- oder Palastgebäude entstammen könnte. Man sieht Gewölberippen, Ornamentkassetten und wohl auch die Andeutung einer Deckenmalerei. Wie ist das möglich? Haben Menschen diese Architekturformen aus den Höhlenwänden herausgehauen? Aber wer sollte eine solche Titanenarbeit vollbringen – und warum? Oder ist die Kuppel eine Ruine, ein Überrest aus längst vergangener Zeit, der nach Äonen Bestandteil der natürlichen Umgebung geworden ist? Eins wie das andere erscheint vollkommen irreal und phantastisch, beide Vorstellungen reißen unvorstellbare Zeiträume auf, die Szenerie scheint einem Traum oder einem Fantasy-Film zu entstammen. Zu diesem Eindruck tragen dann auch die übergroßen Kristalle bei, die am Höhlenboden verteilt liegen.

Das mit Sepiatusche und Acrylfarbe gemalte Bild „Springtime“ von 2019 ist ein gutes Beispiel für die Fähigkeit von Slava Seidel, in ihren Arbeiten Zeit-, Raum- und Realitätsebenen durcheinanderzuwirbeln und dem Betrachter die Orientierung zu rauben. Beim Beschauen von Seidels Bildern kann man sich selbst immer wieder dabei beobachten, wie einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird, indem sich die Grenzen zwischen Natur und Kultur, zwischen Fantasie und Wirklichkeit, Gegenwart und Vergangenheit auflösen und die eigene Vorstellungskraft aufs Äußerste herausgefordert wird. Angesichts der traumartigen Bilderfindungen, die so typisch sind für das Werk von Slava Seidel, wurde gelegentlich der aus der Kunst des 20. Jahrhunderts vertraute Begriff des Surrealismus herangezogen. Jedoch taugt dieser – trotz seiner Nähe zu Traum und Phantastik – meines Erachtens nicht, um die Kunst von Slava Seidel angemessen zu beschreiben. Denn der Surrealismus setzte auf ein Aushebeln der Verstandeskontrolle und das Anzapfen unbewusster Kräfte in einem automatischen Bildentstehungsprozess. Doch davon kann bei Slava Seidel keine Rede sein; ihre Bilder sind wohlüberlegte, äußerst kunstvolle Konstruktionen einer aus den Fugen geratenen Wirklichkeit. Für viele ihrer Arbeiten passt, so meine ich, ein älterer Begriff aus der Kunstgeschichte viel besser: das Capriccio. Mit diesem Terminus, der in sich das Geistreiche, Groteske, Exzentrische und Scherzhafte vereint, bezeichnet man eine Kunstform des kalkulierten Regelverstoßes gegen künstlerische Normen, für die Namen wie Jacques Callot, Giovanni Battista Tiepolo oder Francisco de Goya stehen. Der Kunsthistoriker Werner Busch hat das Capriccio in einem wichtigen Aufsatz charakterisiert: „Es setzt ein Fragezeichen hinter allen Gewißheiten. Das Capriccio lebt vom Aufbau der Illusion und seiner folgenden Zerstörung, es lebt vom Umschlag.“ In ihm zeigt sich „Ungeordnetes, Unproportioniertes, Ver-rücktes, Mystisches, Okkultes, Undurchschaubares, Ängstigendes, Höhnisches (...)“. Busch spricht mit Blick auf die Grundstruktur des Capriccio von einer „Erweiterung der Wirklichkeit.“ Im Werk von Slava Seidel sind cappriccioartige Wirklichkeitserweiterungen, wie sie der Kunsthistoriker beschreibt, in großer Zahl zu finden – und tatsächlich nennt die Künstlerin eine ihrer 2019 entstandenen Arbeiten „Architectural Capriccio“.

 

Architectural Capriccio, 2019, Sepiatusche auf Leinwand, 130 x 150cm

Dort sieht man in starker Untersicht einen barocken Gebäudeteil, möglicherweise die Ecke eines Palazzos, aus deren leeren Nischen palmenartige Bäume herauswachsen. Zunächst denkt man an Ruinen, die von der Vegetation zurückerobert wurden; stutzig macht jedoch, dass die Palmen mehr oder minder horizontal aus der Architektur herausragen. Wenn man dann oberhalb des Gebäudes Wurzeln tragende Baumstämme durch die Luft fliegen sieht, scheint es eher, als ob die Palmen rätselhafte Parasiten wären, die sich an dem Gebäude festkrallen – wiederum eine ganz und gar phantastische oder (alp-)traumhafte Vorstellung.

 

Architectural, 2018, Sepiatusche auf Papier, 100 x 70cm

Typisch für das historische Capriccio und jede neuere „capriccioartige“ Kunst ist für Werner Busch das „Antiklassische“, der bewusste „Verstoß gegen die Regeln im Namen freier Phantasie- und Kunstentfaltung“. Das lässt sich auch auf Seidels künstlerische Haltung übertragen, denn schließlich gibt es auch heute noch ungeschriebene, aus der Moderne abgeleitete Regeln oder besser: Behauptungen darüber, wie man heute – angeblich – nicht mehr malen könne oder dürfe: figurativ, narrativ, illusionistisch, symbolisch, allegorisch... Gegen all diese „Verbote“ verstößt Slava Seidel mit großer Souveränität. Ganz bewusst setzt sie nicht auf Avantgardeattitüden, sondern wendet den Blick zurück auf die Kunstgeschichte, um sie sich in ihren capriccioartigen Kompositionen ganz neu anzueignen. Nicht zufällig lässt sie eine besondere Vorliebe für das Barock erkennen, jene Epoche der Kunst also, die durch kühnen Raumillusionismus und theatralische Bildinszenierungen gekennzeichnet war.

 

 

Komposition 01, 2019, Sepiatusche und Acryl auf Leinwand 100 x 120cm

Seidels Spiel mit Raum- und Wirklichkeitsebenen lässt sich sehr schön am Beispiel ihres Gemäldes „Komposition 01“ von 2019 nachvollziehen. Sitzt der Pianist tatsächlich in einer Hochgebirgslandschaft, in der wundersamerweise eine riesige Palme gedeiht? Oder ist das Ganze doch nur Bühnenbildzauber, worauf die mit einem roten Vorhang verhängte Tür und der Bretterboden im Vordergrund hindeuten?

 

 

 

Kupol, 2019, Sepiatusche und Acryl auf LW, 150 x 130 cm

Barocke oder pseudo-barocke Architekturen spielen in Seidels Arbeiten immer wieder eine Hauptrolle, eine Vorliebe hat sie vor allem für Kuppelbauten.

 Gleich vier davon hat sie in dem Bild „Kupol“ von 2019 als Aufrisse übereinandergetürmt. Als eine Künstlerin, die während ihres Studiums der Innenarchitektur in Sankt Petersburg eine grundsolide handwerkliche Ausbildung in Architekturzeichnung erhalten hat und danach zeitweise als Bühnenbildnerin arbeitete, ist Slava Seidel mit allen Wassern illusionistischer Darstellungskunst gewaschen. Ein bemerkenswertes zeichnerisches Können in der Handhabung des schwierigen, da kaum Korrekturen erlaubenden Malmittels Sepiatusche kommt noch hinzu.

 

 

Cupola, 2020, Sepiatusche auf Leinwand, 130 x 150 cm

Geradezu atemberaubend ist die Raumkonstruktion in einem Bild wie „Cupola“ von 2020,  wo eine Gebäudekuppel auf ein riesiges liegendes Viereck projiziert wurde. Mitten in dieser Fläche aber schäumt Wasser auf wie auf hoher See, dort navigiert ein Segelschiff aus vergangenen Zeiten. Das Ganze ist absurderweise in einem Gletschertal situiert, das von schroffen hochalpinen Berggipfeln umstellt ist – eine Weltlandschaft der besonderen Art.

 

 

 

Raum mit Aussicht, 2019, Sepiatusche auf Leinwand 130 x 150 cm

Nicht minder abenteuerlich sind die verschiedenen Raumebenen in der Komposition „Raum mit Aussicht“ von 2019 ineinandergeblendet. 

Am unteren Bildrand sieht man ein Segelboot am Meeresstrand liegen, ein leerer Sessel wartet, dem Betrachter zugewandt, in den Dünen. Dahinter steht eine Rückenfigur und betrachtet eine phantastische Szenerie: Ein Gebirgsbach stürzt zwischen fernen Fichten hindurch jäh herab ins Tal, während sich an den Seiten steile Felswände auftun, die wiederum, wenn man genau hinschaut, an den äußeren Enden in Architekturformen übergehen. Strand und Gebirge, Naturraum und architektonischer Innenraum – alles ist zu einer grandiosen, irrealen Raumvision zusammengefügt. Nachgetragen sei noch, dass der bildinterne Betrachter, wie alle menschlichen Figuren in Slava Seidels Bilderkosmos, männlichen Geschlechts ist – damit entzieht sie simplen biographischen Interpretationsversuchen ihrer Bilder von vornherein jede Grundlage.

 

 

Allegorische Stimmung, 2016, Sepiatusche auf Leinwand, 90 x 100 cm

Barok muten nicht nur die kühnen Raumerweiterungen in Seidels Bildern an, sondern auch ihr Hang zu allegorischen Szenen.

Ein Totenkopf und ein Schmetterling – die Hauptmotive ihres Bildes „Allegorische Stimmung“ von 2016 sind aus zahllosen Vanitasgemälden des 17. Jahrhunderts bekannt. Der Totenschädel erinnert als Memento mori an die Vergänglichkeit aller Dinge, des menschlichen Lebens zumal, Schmetterlinge stehen für die Seele des Menschen und nicht zuletzt für die Hoffnung auf ewiges Leben. Indem Slava Seidel die Größenverhältnisse der beiden Motive verkehrt und  den Schmetterling so groß darstellt, dass er mit dem menschlichen Schädel zu spielen scheint, kommt diese Symbolik ins Kippen: Der Falter wirkt erschreckender als das längst zum Klischee verkommene Schädelmotiv.

 

 

Touch, 2019, Sepiatusche auf Papier, 30 x 40 cm

Ein noch größerer Schmetterling berührt in der kleinformatigen Zeichnung „Touch“ einen am Boden sitzenden Anzugträger an der rechten Schulter. Er ist etwa so groß wie der Mann selbst, dessen ausgebreitete Rockschöße den Insektenflügeln ähneln. Die beiden Wesen scheinen eng aufeinander bezogen zu sein wie ein ungleiches Zwillingspaar, oder eher noch so, als ob der Falter ein groteskes Alter Ego des Mannes, sein kafkaeskes Spiegelbild sei. Damit erinnert die Figur an Gregor Samsa aus Kafkas berühmter Erzählung „Die Verwandlung“, der sich, als er „eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, (...) in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt“ fand. Unruhigen Träumen scheinen auch viele Bildmotive Slava Seidels entsprungen zu sein, faszinierenden und schrecklich-schönen.

 

 

 

 

 

SLAVA SEIDEL

Magic Spaces

19. März 2020 -

29. Mai 2020

 

 

 

 

 

 

FRANZISKA SCHEMEL

Licht - Räume

21. Nov. 2019 -

31. Jan. 2020

 

 

 

 

JOSEF HIRTHAMMER

Paradise Lost

5. Sept. - 8. Nov. 2019

 

 

WILLI BUCHER

Imagination Quadrat

6. Sept. - 14. Dez. 2018

 

 

 

 

CHRISTO

 

Die London Mastaba steht  bis zum 23. September; parallel läuft eine Ausstellung in der benachbarten Serpentine Gallery vom 19.6. bis 9.9., die  sich auf Christo's Arbeiten mit Ölfässern über 60 Jahre konzentriert.  

 

 

Christo: The Mastaba, Project for London, Hyde Park, Serpentine Lake, 2017 ©Christo

 

 

JOACHIM HILDEBRAND

Wild West

7. Juni - 17. August 2018

 

Neue Termine:

Do: 28. Juni 18 - 20 Uhr

Fr:  29. Juni 18 - 20 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

Zur Ausstellungseröffnung erscheint das gleichnamige Buch.

Ein fotografisches Abenteuer, das den Mythos

des Wilden Westens dekonstruiert.

Texte von  Celina Lunsford und Manfred Berg

Gestaltet von Joachim Hildebrand, Kehrer Design

Festeinband

24 x 30 cm

128 Seiten

 

 

 

 

 

A. Durrer: Kokon. 2016, Acryl auf Leinwand, 140 x 110 cm

 

 

 

 

 

ANDREAS DURRER

Farbe bewegt!

 7. Sept. - 15. Nov.  2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NYC: N. Guthier - M. Bolz, Foto und Malerei (Acryl), 100 x 240 cm

 

co_works on the road von Kanada 2014 bis Mexiko 2017

8. Juni - 19.August 2017

Fotografie von Norbert Guthier

in Zusammenarbeit mit den Malern/innen:

Matthias Bolz, Bert Esenherz, Barbara Fisher, Emilio Martinez, Brad Moody, Matt Sesow, Fred Tieken und Heather Wilcoxon

 

 

 

 

 

DENNIS THIES

 

abgebildete realität ist unbrauchbar

30. März - 31. Mai 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FRANZISKA SCHEMEL

 

indoor - outdoor

10. Nov. 2016 - 6. Feb. 2017

 

 

CHRISTO

 

Nachlese

8. September - 29. Oktober 2016 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FRED GEORGE:

"I read the News Today - Oh Boy!"

 11. Sept. - 21. Okt. 2016,

Ausstellungsort: Palais Livingston

Restaurant "Herr Franz", Ulmenstr. 20, 60325 Frankfurt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SIGRID TORFF

Springtime

12. Mai - 13. August 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

J HENRY FAIR

It's an Abstract World

3. März - 30. April 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SLAVA SEIDEL

 

Raumillusionen

12. Nov. 2015 - 29. Feb. 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gruppenausstellung

10. Sept. - 6. Nov. 2015

Wir zeigen Arbeiten von Christo, Claudia Gansz und Spar Street.